Trabrennbahn Farmsen

An das Zwangsarbeitslager für italienische Militärinternierte auf der Trabrennbahn Farmsen erinnert nichts mehr. Das Gelände am heutigen Friedrich-Ebert-Damm heißt jetzt „Der Wohnpark im Grünen“. Auf Wikipedia kann man lesen, das die die Rennbahn „als Sammelstelle für diejenigen Teile der Hamburger Bevölkerung, die bei den schweren Luftangriffen auf Hamburg obdachlos wurden.“

Am 6. August 1911 wurde die Trabrennbahn eröffnet. Bis Ende der 1920er-Jahre hatte sich die Trabrennbahn Farmsen zu einer der modernsten und führenden Rennbahnen Deutschlands entwickelt. Am 25. Februar 1976 war der letzte Renntag auf der Trabrennbahn Farmsen, danach lag das Gelände 15 Jahre brach. Zu Beginn der 1990er Jahre gab es die Entscheidung, Wohnbebauunng auf dem ehemaligen Renngelände. Im September 1995 begannen die Arbeiten am ersten Bauabschnitt und ein gutes Jahr später waren die ersten Wohnungen bezugsfertig. Anfang 2000 wurde dann die letzte der insgesamt rund 1.170 Wohnungen fertiggestellt.

Über das IMI-Lager in der Trabrennbahn

Im August 1943 wurde das gesamte Gelände der Trabrennbahn beschlagnahmt, geplant als Unterkunft für durch Hitlers Krieg Obdachlosen Hamburger. Das Amt für Wohnraumbeschaffung vermerkt im Januar 1945 in einem Streit über die Miete und Entschädigungszahlung an den Eigentümer des Gelände und den Pächter von Räumlichkeitem: Im September 1943 kam eine größere Anzahl italienischer Militärinternierter nach Hamburg. Quartiere waren nicht vorhanden.“ Es wurde veranlasst, „dass die Leute in der Trabrennbahn gebracht wurde, in der für den Industrieblock Räume für die Unterbringung für Arbeitskräfte bereitgestellt waren.“ Hierbei ging es in einer ersten Maßnahme um die Temporalwerke in Wandsbek.

Auf den drei Plätzen des Geländes gab es jeweils Hallen und Gastronomiebetriebe. „Das IMI-Lager ist in den Restaurationsräumen des 1. Platzes untergebracht.“ Faktisch fand der Rennbetrieb während der Inhaftierung der italienischen Militärinternierten statt. An Sonntagen wurde ein Teil der Halle sogar noch genutzt für den Tottobetrieb. Das Zwangsarbeitslager bestand nach Angaben des Pächters, der eine Kostenerstattung forderte, aus einer „Küchenbaracke mit 8 Kochkessel, 1 Waschbaracke, 1 Abortanlage sowie das gesamte Inventar und die Ausrüstung (Betten, Strohsäcke, Tische, Stühle) … einer Revierkrankenstubr und anderer Räumlichkeiten.“ Der 1. Platz umfasste einschließliche Küche, Terrasse und weitere Räume 880 qm.

Kosten der Unterbringung für 700 IMIs

An den Kosten für die Unterbringung mussten sich die Unternehmen beteiligen, wie ein Schreiben des Industrieblock X in Hamburg belegt. „Die Unternehmen haben zu zahlen auf jeden ihre Baustelle beschäftigten Militärinternierten bzw. Gefangenen RM 1,00 pro Mann und Tag, so dass bei der Unterbringung von 700 Gefangenen eine Einnahme von 700 RM anfällt.“ (28.08.1944).

Profiteuren der italienischen Militärinternierten aus Farmsen

Die Unternehmen, die italienische Militärinternierte für ihre Produktionszwecke angeforderte hatten, waren u.a. die Norddeutsche Hefeindustrie AG in Wandsbek, heute unter dem Firmenname Ohly GmbH; Alfred Thomsen im ehemaligen Ziegeleiweg in Wandsbek, Dörwald & Petersen, das Baugeschäft Schneider & Jenckel, Lehmann & Voss, Alstetufer 10, Höger & Höhne, Fuhlsbütteler Damm, Johann Schön sowie Alfred Thomsen – beide Ziegeleiweg, Kowohl & Bruns , H. Groeppner aus Jenfeld, J. Eckmann aus Farmsen. L.Ellerbrock aus Duvenstedt. Gebrüder Wichmann, H.C. Stuelcken Sohn, die Wandsbeker Industriebahn, Musfeldt & Dormagen, F. Göddemeyer, Heinrich Höppner aus der Eimsbütteler Tornquisstraße 77, W. Kreymann aus der Wandsbeker Straße, W. Dolz, W.ilh. Herrmann Karosserierwerk, V. Tossolo & Söhne, oder der Hamburger Stadtreinigung.

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