Kampstraße 55, Sozial-Gewerk des Handwerks

Das „Sozial-Gewerk des Handwerks“ war ein Zusammenschluss der Hamburger Handwerker, den die Nazis 1941 initiierten. Vordergründig wollte man damit „gutes“ tun, in dem man Kantinen u.a. mehr gemeinschaftlich anbot. „Sozialwerk“ war die Nazi-Ideologie, dass alle nur „Arier“ sind und die Beziehungen im Arbeitsalltag unter einer völkischen Ausrichtung einer neuer Gemeinschafts führe. Die Aufgabe des „Sozial-Gewerks“ sollte u.a. die Errichtung von Wohnheimen, das „Erstellen von Betriebskantinen, einer Gemeinschaftsverpflegung für die Betriebsangehörigen,“ sein. Im April1943 wurde der Namen noch einmal geändert: „Sozial-Gewerk der DAF (Handwerk, Handel und Gewerbe)“. Beschlossen wurde auch, dass die „Genossenschaft der „Zielsetzung der Deutschen Arbeitsfront zu entsprechen hat.“

Es ist wenig über dieses „Sozial-Gewerk des Handwerks“ bekannt. Die Handwerksinnungen waren hier vertreten und hatten eine zentrale Bedeutung. „Aus der Besprechung zwischen Handwerksführung und der Gauverwaltung der Deutschen Arbeitsfront … ergab sich die dringende Notwendigkeit, die Obermeister … zur Mitarbeit im Sozialwerk heranzuziehen. … Nur auf diesem Wege besteht überhaupt die Möglichkeit der Existenz des Sozial-Gewerks“.

Das „Sozial-Gewerk des Handwerks“ sollte aber ursprünglich erst nach dem „beendeten Krieg“ seine Arbeit aufnehmen, so die Ankündigung des damaligen Aufsichtsrats. Das änderte sich mit dem Verlauf des Krieges und man entschied sich, den Geschäftszweck früher aufzunehmen. Im September 1941 wurde auf Grund auftretender Versorgungsproblemen beschlossen, „als erstes eine Großküche zu bauen, aus er 1.000 Handwerker mit Mittagessen versorgt werden können. „

In der Garage der Schmelze des Zentralschlachthofes wurde das geeignete Gebäude (Kampstraße Ecke Carolinenstraße) gefunden und … käuflich vom Sozial-Gewerk erworben.“ Die Großkantinen in der Kampstraße 55 wurde im April 1943 fertig gestellt und lieferte auch Essen an Unternehmen (Warmverpflegung). Die meisten Essen gingen an die NSV, einer Nazi-Organisation.

Ab September 1943 wurden in der Großküche auf dem Gelände des Schlachthofs auch italienische Militärinternierte eingesetzt, wie ein Schreiben an das Arbeitsamt belegt. Die IMIs kamen aus dem Zwangsarbeitslager im Hamburger Stadtpark.

Nach 1945 wurde aus dem „Sozial-Gewerk der DAF“ das „Sozial-Gewerk für Handwerk, Handel und Gewerbe“ und wurde Bestandteil des Wirkens der Handwerkskammer Hamburg. So wurde 1952 der Präsident der Hamburger Handwerkskammer, P. Wilkens, Aufsichtsratsvorsitzender des Sozial-Gewerks. 1966 wird die Auflösung des Sozial-Gewerks beschlossen. Der Erlös von 204.000 DM wurde an die Mitglieder ausgezahlt, eine Spende wurde auch eine Spende an ein Altersheim der Handwerkskammer gezahlt.

Heute gibt es diese Großküche nicht mehr. An der Stelle steht jetzt der Sitz der Designagentur ringzwei.

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