IMIs im Arbeitserziehungslager Langer Morgen, Wilhelmsburg

Italienische Militärinternierte wurden auch in Arbeitserziehungslager verlegt. Das Arbeitserziehungslager (AEL) Langer Morgen in Hamburg-Wilhelmsburg diente der Disziplinierung und der öffentlichen Abschreckung.

Der Arbeitseinsatz war das zentrale Element der Arbeitserziehungslager, bei dem Repression und Ausbeutung zusammenkamen. Vom AEL Langer Morgen gingen die Gefangenen zu den Unternehmen, vor allem im Hafen, in denen sie arbeiten mussten. Eines der Arbeitskommandos, in den auch italienische Militärinternierte eingeteilt wurden, war das Materialdepot der Strom- und Hafenbau/heute HPA in der Schluisgrove. „Sie wurden mit einer Barkasse zur Arbeitsstelle im Materialdepot am Schluisgrove“ eingesetzt, schreib Martin Reiter in seiner Magisterarbeit zur Zwangsarbeit im Hamburger Hafen.

Die Tätigkeiten für die Häftlinge des Arbeitserziehungslagers Schluisgrove bestanden aus Zement abladen, Erdarbeiten und Aufräumen des Geländes. „Das Gelände mit einigen Warenlagern war von einem hölzernen Zaun umgeben und es gab einen Wachturm, von dem die Wärter große Teile des Geländes überwachen konnten,“ schreibt Reiter.

Bekannt sind bisher nur einzelne Namen von IMIs aus dem AEL Langer Morgen. Im Verfahren gegen den Gestapoagenten Paul Rostalski berichtet am 29. Oktober 1947 der Zeugen Bruno Autunno vom IMI Eggiotio Pasqurello, der als Zwangsarbeiter bei der Wilhemsburger Weizenmühle Plange arbeiten musste und im AEL Langer Morgen festgehalten wurde. Pasqurello wurde demzufolge von dem Gestapoagenten Rostalski zur Bestrafung in ein Arbeitslager gebracht, aus dem er acht Wochen später zurückkehrte.

Unter den italienischen Opfern in Hamburg ist mehrmals das AEL WIlhelmsburg angegeben worden.

Hier findet man die Namen von Bruno Pontani. Er ist am 30. Juli 1923 in Pietracamela (Teramo) geboren. Von Beruf war er Fräser und wurde am 8. September 1943 von der deutschen Wehrmacht festgenommen. Er war Zwangsarbeiter in den Motorenwerken Hamburg und starb im AEL Langer Morgen am 22. März 1945. Cero Pappainia, geboren am 2. März 1911. Er starb am 22. März 1945. Paolo Ricchini, derm am 12. Dezember 1896 geboren waren und am 22. März 1945 im AEL verstarb. Nicola Di Santo war am 8. Januar 1912 in Altino geboren und starb am 22. März 1945. Auch Ottorino Gaiotto starb am 22. März 1945. Er war am 8. August 1922 in Venedig geboren. Bevor der ins AEL Langer Morgen kam, arbeitete er im Stahlwerk Mark in Wilhelmsburg. Von Beruf arbeitete er in Italien als Beamter. Olivo Capri war am 29. August 1915 in Varlorba geboren und starb am 22. März 1945. Bevor er in AEL eingewiesen wurde, arbeitete er bei Otto Schilling in der Jarrestraße 42. Er war Beamter in Italien. Salvatore Spalice war am 19. August 1901 in Neapel geboren. Vor dem AEL Langer Morgen lebte er im Zwangsarbeitslager in den Kurze Mühren 6 und starb am 22. März 1945. Von Beruf war er Polizist. Giovanni Barbero war am 18. April 1904 in Envie. Er arbeitete vorher in den Hansa-Werk und musste im dem Lage neben dem AEL, der Rethebrücke, leben. Er starb am 11. März 1945 in der Gefangenschaft. Aquilino Spozio war am 21. Januar 1919 in Mailand geboren. Er arbeitete für den GHB und starb am 22. Februar 1945 im AEL Langer Morgen.

Was war das Arbeits- und Erziehungslager Langer Morgen?

Die Lager unterstanden der Gestapo, dem “Ausländerreferat”. 1944 hatte es eine Stärke von ungefähr 45 Mitarbeitern umfasste, hatte die Federführung bei der Überwachung ausländischer Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter. Innerhalb des Ausländerreferats gab es Arbeitsgruppen für einzelne Nationen, die mit den jeweils dafür nötigen Dolmetschern bestückt waren, und die den Kontakt zu den jeweiligen Lagern unterhielten. Unterstützung erhielten sie von den Lagerverwaltungen. Über die Gestapo erfolgte die Einweisung in das AEL.

In den offiziellen Vorschriften der Nazis zur Errichtung von AEL war die Haftdauer auf maximal 56 Tage festgesetzt, beginnend mit dem Zeitpunkt der vorläufigen Festnahme. Entweder wurden die Häftlinge danach ins KZ Neuengamme eingewiesen oder es ging zurück ins Zwangsarbeitslager. 

Das AEL Langer Morgen wurde mit vier Baracken und einer angegebenen Kapazitäten für 1.050 Gefangene eingerichtet. Die Bewachung erfolgte durch SS-Angehörige. Es befand sich von April 1943 bis zum 22. März 1945 in der Straße Langer Morgen im Hamburger Industriehafen, die heute nicht mehr existiert.

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