IMis im Hamburger Gesundswesen

In der Hamburger Gesundheitsverwaltung waren seit September 1944 auch italienische Militärinternierte eingesetzt worden. Es wurden sowohl Ärzte wie auch Krankenpfleger eingesetzt. Nach aktuellen Recherchen waren 18 italienische Ärzte in den Hamburger Krankenhäusern.

Frederike Littmann beschreibt in Buch „Ausländische Zwangsarbeiter in der Hamburger Kriegswirtschaft“, dass im August 1944 das OKW angewiesen hatte, dass nicht in den Lager benötigte Ärzte und Pfleger künftig vom Arbeitsamt an die Hamburger Gesundheitseinrichtungen eingesetzt werden sollten.

Folgende Hamburger Krankenhäuser hatten beim Arbeitsamt italienische Ärzte angefordert, die im Kriegsgefangenen Stammlager Wietzendorf waren: UK Eppendorf, AK St. Georg, AK Barmbek, AK Altona, AK Harburg, Hygienisches Institut (in Hafenkrankrnhaus) und der Nordwestdeutschen Kieferklinik.

Aus den Schreiben der Hamburger Gesundheitsverwaltung an das Arbeitsamt aus dem Herbst 1944 ergibt sich, dass in den Krankenhäuser 28 IMIs als Pflegekräfte eingesetzt worden. Zwei im AK St.Georg, vier wurden im Rahmen der Aktion Brandt in Rickling und Wintermoor als Pflegekräfte, Sanitäter eingesetzt. Bei 22 kennt man die Namen, kann sie aber bisher keiner Einrichtung zuordnen. Sie waren sowohl von Beruf Sanitäter, aber auch Bauern, Beamter oder Gärtner.

Mehrere der IMIs wurden in den beiden so genannten „Krankenhaus-Sonderanlagen Aktion Brandt“ eingesetzt. Zum einen in Wintermoor.

Zum anderen in Rickling:

Zum Inhalt der „Aktion Brandt“

Am 24. August 1941 führte Karl Brandt in einem Schreiben an den NSDAP-„Reichsleiter“ Martin Bormann mit absoluter Dringlichkeit aus, „dass bestimmte luftgefährdete Städte (Hannover, Hamburg, Bremen) Ersatzbauten für beschädigte Kranken- häuser erhalten sollen und darüber hinaus diese Ersatzkrankenhäuser so gross angelegt werden, dass sie in der Lage sind, evtl. übermässig anfallendes Krankengut aufzunehmen. […] Soweit es möglich ist, können im Gebiet der betreffenden Städte liegende Heil- und Pflegeanstalten als Grundlage für derartige Krankenhäuser herangezogen werden.“

Die „Aktion Brandt“ fasst dezentrale Tötungen von Kranken in Heil- und Pflegeanstalten während des Nationalsozialismus zusammen. In einigen Anstalten kamen Kranke auf Grund von Überbelegung und absichtlichem Vernachlässigen zu Tode; in anderen Anstalten wurden die verlegten Insassen gleich in großem Maßstab ermordet. Die „Aktion Brandt“ wurde nach Hitlers Begleitarzt und Bevollmächtigten (Generalkommissar) für das Sanitäts- und Gesundheitswesen Karl Brandt benannt.

Ausweich-Krankenhäuser außerhalb Hamburgs

Die Bombenangriffe auf deutsche Großstädte wurden zum Kriegsende immer häufiger und es wurden immer mehr Krankenhausplätzen benötigt. Man baute daher im „ruhigeren“ Umland der Städte Ausweichkrankenhäuser.

Wintermoor

Ab 1941 wurde in Wintermoor das Gesundungshaus Wintermoor im Rahmen der Aktion Brandt durch die Organisation Todt gebaut. 100 sowjetische Kriegsgefangenen wurden zum Bau mit eingesetzt. Das Gebäude wurde im Februar 1943 eröffnet und diente als Hamburger Ausweichkrankenhaus mit zunächst 400 Betten. Im Juli 1943 wurde das Krankenhaus auf 825 Betten erweitert. Im späteren Betrieb kamen polnische „Ostarbeiterinnen“ in der Küche und der Reinigung zum Einsatz. Ab 1943 wurden italienische Militärinternierte im Krankenhausbetrieb eingesetzt.

Insgesamt sollten „für die luftgefährdeten Städte Nordostdeutschlands 20.000 Betten in Ausweich-Krankenhäusern außerhalb der Flakzone 12 eingerichtet werden. Dazu wurden sowohl Ersatzkrankenhäuser in Bara- ckenbauweise durch die „Organisation Todt“13 neu errichtet als auch Bettenkapazitäten in psychiatrischen Heil- und Pflegeanstalten per Beschlagnahmung rekrutiert.

Rickling

In Schleswig-Holstein dienten drei solche Einrichtungen als Ausweichkrankenhäuser: die Provinzial-Heil- und Pflegeanstalt in Neustadt, die Heilanstalt Lübeck-Strecknitz und die Holsteinischen Heilstätten für Ner- ven- und Alkoholkranke in Rickling. Dabei war Neustadt mit einem Kontingent von 1.000 Betten als Ausweichkrankenhaus für die Stadt Kiel vorgesehen; für Hamburg wurden in Rickling 500 Betten und in der Anstalt Strecknitz 1.000 Betten für die stationäre Behandlung verletzter Luftkriegs- opfer geplant.

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