Schanzenstraße 75/77, Montblanc

Der Markenartikler Montblanc hatte in der NS-Zeit an seinem Produktionsstandort im Hamburg-Schanzenviertel, in der Schanzenstraße 75-77, Zwangsarbeiter eingesetzt. Aus den vorhandenen Unterlagen geht hervor, dass Montblanc als metallverarbeitendes Unternehmen zum 1. April 1945 324 „Arier“ und 22 „Fremdarbeiter“ beschäftigte. Bereits zum September 1944 hatte das Unternehmen 15 italienische Militärinternierte gegenüber dem Arbeitsamt bestätigt. „Sämtliche Italiener sind bei uns als Automatenbediener beschäftigt.“ Von Beruf waren sie fast alle Bauern, es gab einen Kaufmann und Orgelbauer unter ihnen. Bei den 15 italienischen Militärinternierten per September 1944 ist bekannt, dass sie im Zwangsarbeitslager in der nahegelegenen Schilleroper leben mussten.

Die Historikerin, Dr. Friederike Littmann, hatte in ihrer Arbeit „Ausländische Zwangsarbeiter in der Hamburger Kriegswirtschaft 1939 – 1945“ (2006) ermittelt, dass Montblanc Zwangsarbeiter nachweisbar 1944/1945 eingesetzt hatte. Sie hatte an Hand von Unterlagen festgestellt, dass es hier eine Art Lager gegeben haben muss, mit einer eigenen Küche und 14 Essenteilnehmern.

Für Aufregung hatte das Unternehmen im Jahr 2000 gesorgt, als es keinen Beitrag für den deutschen Entschädiggungsfonds für die Zwangsarbeiter leisten wollte. Die MOPO schrieb am 31.08.2000 über die damalige Reaktion des Unternehmens auf die Frage nach einem Beitrag für den Fonds: „Unsere Geschäftsführung ist in San Francisco. Wir können dazu nichts sagen“, hieß es bei Montblanc. Die Gegen-Öffentlichkeit in Hamburg führte dann zu einer Korrektur: “Das brachte beispielsweise den weltweit bekannten Füllfederhersteller Montblnac plötzlich dazu, sich »mit den Zielen der Stiftungsinitiative solidarisch« zu erklären, wie die Betriebsleitung via Hamburger Abendblatt verlauten ließ,” schrieb damals die Junge Welt. 

Montblanc hatte seit 1908 seinen Unternehmenssitz im IV. Stock der Schanzenstraße 75/77. Erbauer und Eigentümer war damals Triton-Belco. Das Gebäude hieß damals auch „Triton-Haus“ und war zur gewerbliches Vermietung gedacht. Montblanc hat bis zum Kauf des Gebäude 1940 im IV. Stock gesessen, danach im ganzen Haus. Bis 1989 war hier das Fabrik- und Verwaltungsgebäude des Unternehmens.

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