Über Umberto Massetti, IMI bei Strom- und Hafenbau

Riccardo Masetti schreibt über seinen Vater, Umberto Masetti, der als Zwangsarbeiter bei der Hamburger Strom- und Hafenbau am Zimmerplatz am Lübecker Hafen arbeiten musste.

Umbert Masetti war geboren am 3. Mai 1920 in Verona geboren. Seine Nummer in Kriegsgefangenen Stammlager  XB Sandbostel  war  200355 (auch nach so vielen Jahren konnte er die Nummer auswendig auf Deutsch vortragen). Seine Geschichte ähnelt der von 600.000 anderen italienischen Militärinternierten (IMI), die von der Wehrmacht nach dem 8. September 1943 gefangengenommen wurden: Eine nicht endend wollende Reise in Viehtransportern, Ankunft im Lager, Stacheldraht und bewaffnete Wachposten, ständig Appelle bei jedem Wetter, fortwährende Demütigungen und Schindereien, Hunger und Handel mit allem, was tauschbar war, um die schlechte Tagesration mit irgendetwas aufzubessern. 

Ein Leben voller Elend ohne Hoffnung auf Zukunft, da die Militärinternierten nicht von der Genfer Konvention geschützt wurden. Keine Briefe oder Pakete von Zuhause, nur Unannehmlichkeiten, Gefahr durch Bombardierung, eiserne Disziplin und Hunger, Hunger, Hunger. Ein gemeinsames Schicksal, dass sich etwas änderte, wenn man so genannter ziviler Zwangsarbeiter im September 1944 wurde… auch wenn man immer noch Gefangener war. 

In seinen Erinnerungen erwähnte er seinen Aufenthalt bei der Strom- und Hafenbau als angestellter Arbeiter für die Reparatur von Pontons im Hamburger Hafen. Die Verpflegung war besser, aber die Arbeitsbedingungen und Arbeitszeiten waren sehr schlecht. Und die Behandlung durch diejenigen, die das Kommando führten oder durch deutsche Kollegen endete immer mit den Worten „Badoglio, Verräter, dreckiger Italiener“. Sie war so anstrengend, dass er während eines englischen Fliegerangriffs unter einem Ponton eingeschlafen war. und die Beschädigung der Fabrik durch die Bomben nicht bemerkte. Dies ging so weiter bis Kriegsende,

Er schrieb auch, dass im Lager nicht alle Häftlinge gleich behandelt wurden, da Franzosen und Belgier im Gegensatz zu Russen und anderen Deportierten Briefe und Pakete von Zuhause erhalten konnten. Letztere lebten unter noch schlechteren Bedingungen als die italienischen Militärinternierten, die trotz ihrer eigenen  Not immer zu helfen versuchten und ihre kleinen Essensportionen teilten. Eine der zahlreichen Geschichten ist die meines Vaters. 

Ich hatte das Glück, dass mir mein Vater seine Geschichte selbst erzählt hat und ich in seinen Erinnerungen lesen konnte. Ich hatte Glück, weil viele italienische Militärinternierte nie mit ihren Familien über diese dramatische Zeit gesprochen haben. Aber glücklicherweise ändert sich, auch weil Menschen darum kümmern, die Erinnerung dieser Jahre und die Orte, an denen tausende Italiener inhaftiert waren, zu erhalten und uns helfen, die wenigen Informationen, die wir als Familienangehörige in den Archiven in Italien oder in Deutschland gefunden haben zu bewahren und zu vervollständigen. 

Und auch dank der in Italien immer größer werdenden Initiativen und der effizienten Nutzung des Internets. Glücklicherweise arbeiten wir jetzt daran, den italienischen Militärinternierten die richtige Anerkennung als erste Form des Widerstands zukommen zu lassen für ihre Verweigerung, sich der Republik von Salò und den Nazis anzuschließen. Eine bewusste und schmerzvolle Wahl, die zu lange Zeit vergessen war. Und in diesem Hinblick haben wir in Modena eine Gedenkstätte des Widerstands geschaffen, in der die Associazione Nazionale Partigiani Italiani, die Rentnergewerkschaft der CGIL (viele Mitglieder waren italienische Militärinternierte) und das Geschichtsinstitut für Widerstand Dokumente und Zeugnisse derjenigen sammeln und aufbewahren werden, die unter dem Faschismus und dem Nationalsozialismus gekämpft und gelitten haben. So bekommen die Erlebnisse der italienischen Militärinternierten ihre gerechte Anerkennung. 

Wir können die Vergangenheit nicht auslöschen, aber gemeinsam können Deutschland und Italien die Zukunft verbessern.

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