Seehafenstraße 1-6

Die Harburger Oelwerke Brinkmann & Mergell setzen 1944 rund 430 Arbeiter an ihrem Produktionsstandort in der Seehafenstraße 1-6 ein. Davon waren nach den Übersichten der damaligen regionalen Wirtschaft 189 Ausländer. Bisher namentlich nachzuweisen sind 123 Personen aus diesem Lager. 59 von ihnen waren italienische Militärinternierte, 59 sowjetische Bürger und 6 Personen, deren staatliche Herkunft zurzeit nicht zu identifizieren sind. Die IMIs waren am 12. Juli 1944 und 12. September 1944 vom einem bisher unbekannten Lagerstand-Standort in Neuengamme verlegt worden.

Durch die 1943/1944 veränderte Zuständigkeit in der Einsatzplanung für die Zwangsarbeiter auf die Unternehmen gab es mehr Verschiebungen von einem in das andere Lager. Hintergrund war die nach den Bombardements der Anti-Hitlerkoaltition auf Hamburg wieder zu reorganisierende Rüstungs- und Kriegswirtschaft in der Verantwortung von 18 (regionalen) Industrieblocks durch Unternehmensvertreter.

Im August 1943 waren von den Nazis sogenannte „Industrieblöcke“ geschaffen und deren Verantwortliche „Industrieblockleiter“ von ihnen bestimmt worden. Einer der verantwortlichen Unternehmensvertreter des Harburger Industrieblocks war Arnold Mergell, Mitglied der NSDAP, von den Harburger Oelwerken Brinckmann & Mergell. Zum Harburg-Industrieblock gehörten 83 Unternehmen. Zentral war dabei die Frage nach den verfügbaren Arbeitskräften. Die Unternehmer (Industrieblöcke) hatten das Recht, über alle Arbeitskräfte in ihrem Industrieblock zu verfügen. In der Ernennungsurkunde des Industrieblockleiters hieß es: „Sie haben alle zur Steigerung der Produktion und Betreuung der Gefolgschaften erforderlichen Maßnahmrn zu treffen … und die zur Durchführung der Ihnen gestellten Aufgaben erforderlichen Maßnahmen … anzuordnen.“ Die Übertragung staatlicher Aufgabn an die Unternehmen bei den Arbeitskräften zeigte sich auch die zugewiesenen Beamten des Arbeitsamtes, „der die geplanten Maßnahmen mit den entsprechenden gesetzlichen Vorgaben in Übereinstimmung zu bringen hatte“, schreibt Littmann. Im August 1944 übertrug der NSDAP-Gauleiter den Blockleitern auch noch die politische Verantwortung zur Gewährleistung ihrer Politik, sie seien daher „nicht nur für die Produktion verantwortlich, sondern für alles.“ Beispielhaft führte Kaufmann aus: „Wenn jemand noch Halbjude oder Jüdisch-Versippte in seiner Mitarbeiterschaft hat, so sei das Sache der Betriebsführer. Was jedoch daraus entsteht, dafür haftet der Betriebsführer.“ Zur Planung des Arbeitskräfteeinsatz der Industrieblockleitern gehörte auch deren Zusammenarbeit mit dem Sicherheitsdienst mit dem Reichsführer der SS.

Friederike Littmann schreibt über diese Organisationsform: „Zum einen waren die in den Industrieblocks betreuten Unternehmen für die Kriegsproduktion zentrale Industrie und Handwerks- sowie wichtige Versorgungsbetriebe. Zum anderen repräsentierten die Industrieblockleiter personell einen ganz wesentlich Teil der Hamburger Wirtschaftselite.“ 

Über das Unternehmen

Die Harburger Ölwerke gab es von 1896 bis 1904 unter der Firmierung : „Harburger Leinöl- und Firnisfabrik G.m.b.H.“. Von 1904 bis 1906 führt es die Bezeichnung: „Harburger Leinöl- und Firnisfabrik Brinckman & Mergell G.m.b.H“. Ab 1906 unter dann unter „Harburger Oelwerke Brinkmann & Mergell“ in der Seehafenstraße 1-6 und gehörte zur Getreideverarbeitende Industrie.

Seit dem Ausstieg der Familie Brinckman Mitte der 1980er Jahre sowie der Veräußerung der Raffinerie an die belgische Vandemoortele-Gruppe 1990 bildet die Firma den Kern der HOBUM-Unternehmensgruppe. Der internationale Konzern Cargill erwarb im Jahre 1998 die europäischen Öl− und Fettraffinationsaktivitäten der Vandemoortele−Gruppe, dabei unter anderem auch den Standort Hamburg-Harburg.

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