Seehafenstraße 16

In der NS-Zeit setzte die Internationale Galalithgesellschaft in der Harburger Seehafenstraße 16 nach neuesten Unterlagen über 300 Zwangsarbeiter in ihrer Munitionsproduktion ein. Zum 1. April 1945 waren in dem Harburger Unternehmen insgesamt 615 Arbeiter beschäftigt, die Hälfte von ihnen waren Zwangsarbeiter. 179 kamen aus Frankreich, 74 aus Kroatien, Russen und Holländer sowie 26 italienische Militärinternierte.

Die IMIs wurden seit dem 24. August 1944 auf den gefundenen Übersichten in dem Lager in der Seehafenstraße 16 geführt. Später wurden sie ins Lager Neugraben verlegt. Hierbei ist die Vermutung, dass es sich um das Lager im Falkenbergsweg handelt. Einer der italienische Militärinternierten war Antonio Russi, der am 16. März 1920 am San Severo geboren war. Er wurde am 11. September 1943 von der deutschen Wehrmacht in Athen entwaffnet und gefangen genommen. Interniert war er im Stammlager in Wietzendorf. Von Beruf war er Maurer. Über sein Leben im Lager in der Seehafenstraße erinnerte er sich später immer wieder, er litt unter Hunger und Kälte +.

Seit 1908 war der Unternehmenssitz der Internationalen Galalith Gesellschaft in in der Seehafenstraße 16. Einige Jahre vorher war sie als ein Tochterunternehmen der Vereinigten Gummiwarenfabrik-Fabrik Harburg-Wien gegründet worden. Nach einem Restrukturierungdprojekt wurde daraus 1922 die Harburger Gummiwarenfabrik Phönix AG. Als selbstständiges Unternehmen war Galalith ein Werkstoff, aus dem Kunststoffe produziert wurden. Die Internationale Galalithgesellschaft wurde 1959 gänzlich von der Phönix AG übernommen. Heute gehört das Unternehmen zu Continental AG und wurde mit deren Tochter ContiTech veschmolzen. Die ContiTech AG ist einer der weltweit größten Hersteller von Kautschuk- und Kunststoffprodukten außerhalb der Reifenindustrie. Es verfügt auch noch über zwei Standorte in Hamburg-Harburg in der Hannoverschen Straße 100 sowie am Schellerdamm 16.

In der Seehafenstraße gab es noch weitere Zwangsarbeitslager von Firmen wie in von Steinike & Weinlig (Seehafenstraße 17) und den Harburger Ölwerken (Seehafenstraße 1-6).

X D (310) Wietzendorf

Das Kriegsgefangenen-Mannschafts-Stammlager X D (310) in Wietzendorf war eines von insgesamt zwölf Lagern, die im Sommer 1941 im Deutschen Reich eigens für sowjetische Kriegsgefangene eingerichtet wurden. Wietzendorf war zeitweise das größte Lager für sowjetische Kriegsgefangene in Deutschland.

Zwischen Juli 1941 und März 1942 starben im Lager Wietzendorf etwa 14 300 sowjetische Kriegsgefangene an Unterernährung und Erschöpfung. Im Juli 1942 wurde Wietzendorf vom Stalag X B Sandbostel als Zweiglager übernommen. Es diente nun vor allem als Lazarett für sowjetische Kriegsgefangene. Ab Herbst 1943 kamen zehntausende kriegsgefangene italienische Soldaten nach Wietzendorf. Sie wurden hier registriert und zumeist umgehend in Arbeitskommandos in den Wehrkreisen X und XI weitergeleitet.

Ab 1944 wurde Wietzendorf als Oflag 83 zur Unterbringung italienischer Offiziere genutzt. Es war bis zur Befreiung im April 1945 das größte Offizierslager für italienische Militärinternierte im Deutschen Reich. Im Februar 1945 verlegte die Wehrmacht 3000 französische Offiziere aus Arnswalde, Sandbostel und Nienburg nach Wietzendorf.

In Wietzendorf starben zwischen August 1941 und April 1945 mindestens 16 000 sowjetische Kriegsgefangene sowie 30 italienische Militärinternierte und ein französischer Kriegsgefangener.

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