Zwangsarbeiter im GHB

Quelle: Staatsarchiv Hamburg, Aktennummer kommt noch

Der GHB beantragte im Juni 1940 bei Reichsarbeitsminsterium den Einsatz von 1.000 niederländische Hafenarbeiter. Im Juli 1940 bittet die Gesamthafenbetriebs-Gesellschaft beim der Paßstelle des Polizeipräsidenten, ihrem Geschäftsführer, Wihelm Volkertsen, eine „Einreiserlaubnis ohne Schwierigkeiten“ zu geben. Er wolle Hafenarbeiter „anwerben“.

Die deutsche Wehrmacht hatte am 10. Mai 1944 die Niederlande überfallen. Mitte Mail kapitulierte die niederländische Armee und die Regierung war nach England geflohen. Arthur Seyß-Inquart wird von Hitler zum Reichskommissar im besetzten Niederlanden. Die „Süddeutsche“ beschreibt ihn 2016 als barbarischen Astro-Nazi, „der ein ganzes Land mit unbarmherzigem Terror, Zerstörung und Barbarei überzog, Verbrechen, die in der niederländischen Geschichte singulär sind.“ Er lässt auf äußerst rücksichtslose Weise Arbeitskräfte zwangsrekrutieren, die niederländische Wirtschaft ausbeuten und die Deportation von Juden in Konzentrationslager vornehmen.

In einer Besprechung späteren des Aufsichtsrat vom heißt es dazu: „Außerdem bewährte sich die Zahl der uns zugewiesenen (!) Arbeitskräfte in keiner Weise … Es waren auch meistens keine Hafenarbeiter, sondern Gelegenheitsarbeiter, die lange Jahre erwerblos gewesen waren.“ Neben den niederländichen Arbeitern wurden später auch belgische „angeworben“.

Massenhaft kamen aber erst „Ersatz“-Arbeitskräfte durch den Einsatz von Kriegsgefangenen aus der Sowjetunion, Polen oder Frankreich. Im Mai 1941 schreibt die GHB beispielhaft, dass „zur Behebung des Mangels an Hafenarbeitern weitere Kriegsgefangene und ausländische Arbeiter“ bei die Beschränkung bei der Arbeit „auf dem Erz- und Kohleumschlag und der Entlöschung von Fischdampfern“ wieder aufgelöst werden konnten.

Mit dem Beginn des 2. Weltkriegs wurden immer mehr Arbeitskräfte in den Unternehmen abberufen und zur Wehrmacht an die Front abkommandiert und die Industrie auf forcierte Kriegsproduktion umgestellt. „Von den gut 8.000 Beschäftigten der Gesamthafenbetriebs-Gesellschaft war die Hälfte vom Arbeitsamt in kriegswirtschaftlich wichtige Betriebe umgesetzt und ein weiterer Teil einberufen worden, so dass die Beschäftigtenzahö auf etwa 30 Prozent des Vorkriegsbestandes zurückgegangen war.“ (F. Littmann, Seite 103)

60 Prozent der Hafenarbeiter sind Zwangsarbeiter

In einem Schreiben des GHBG vom 30. März 1943 heißt es zur Lageeinschätzung der Arbeitskräfte im Hafen: „Im Gegensatz zu Friedenszeiten beschäftigten sich die Betriebe heute neben dem Umschlag mit der Lagerung von Gütern aller Art in Speichern und vornehmlich auf Kaischuppen. Außerdem haben die größeren Areale ihre Anlagen an die Wehrmachtdienststellen vermietet und weisen diesen Instanzen laufend mehr oder weniger größere Mengen Gefolgschaftsmitglieder zu…“Man kann einschätzen, dass sich die Gefolgschaft im Kai- und Umschlagsverkehr des Hamburger Hafens heute zu 60 bis 65 Prozent aus Ausländern zusammensetzt.“

Hafenbetriebe, die sich mit dem Stückgut-Umschlag befassen:

1.4.1939
feste Arbeiter
täglich vom
GHBG
1.4.1942
feste Arbeiter
täglich vom
GHB G
HHLA/Kai2.050791758310
Haamburg-Amerika Linie910370975
Hamburg-Südamerika D. Ges.4873722319
Deutsche Afrika Linien3463476693
Lager- und Sped. Ges. mbH2459014372

Die militärische Lage wirkt sich zunehmend auch auf Deutschland aus. Nicht nur, dass (deutsche) Arbeitskräfte im Hafen abgezogen werden, die Arbeitszeit im Gesamthafen wird verlängert, es gibt die Pflicht zur Mehrarbeit und längst ist der Krieg nicht mehr an der weitentfernten Front, Bomben überziehen Deutschland und der Hamburger Hafen ist massiv davon betroffen. Aus einem Schreiben des GHB vom 13. Dezember 1944 zur möglichen Kasernierung der Hafenarbeiter im „SS-Fall“ ergibt sich, dass es noch 5.000 deutsche Beschäftigten im Hamburger Hafen gab.

Beschäftigte deutsche Hafenarbeiter zum 30.11.1944

BerufsgruppeHafeneinzeltriebeGHBGzusammen
Schauerleute4026661.068
Kaiarbeiter370387757
Speicherarbeiter238133371
Lagerarbeiter28880368
Ladungskontr.13078208
Bunkerarbeiter174764
Ewerführer63099729
Kesselreiniger1796113
Hafensch. Harburg15584239
Hafenschiffahrt794794
Festmacher1717
Mech. Umschlag266206
3.264
1.670

Eigene Zwangsarbeitslager des GHB

Seit Ende 1940 betrieb der GHB auf dem Gelände des Überseeheims auf der Veddel ein Kriegsgefangenen Lager für französischen Soldaten.

Quelle: http://www.zwangsarbeit-in-hamburg.de

Zum Juli 1942 lässt der GHB ein Barackenlager am Niedergeorgswerder Deich für 300 sowjetischen Kriegsgefangene bauen. Es sind sieben Baracken mit 2.000 qm.

Quelle: Staatsarchiv Hamburg, Aktennummer kommt noch
Quelle: Staatsarchiv Hamburg, Aktennummer kommt noch

Aus einem Schreiben vom 15. Mai 1942 schreibt der damalige „Hafenkommissar“ Wirtz an den Senator Martini, dass das Haus Sägerplätz 25 „seit längreer Zeit auf Vorschlag der Gesamthafen-Betriebsgesellschaft … beschlagnahmt wurde. Es war beabsichtit, dort Leute unterzubringen, die das Manko an Hafenarbeitern zum Teil auffüllen solln. Gedacht ist hier in erster Linie an Russen ..:“ Es sei zur „ordnungsmässigen Durchführung der kriegsentscheidenden Arbeiten im Hamburger Hafen unerlässlich, dass dem Gesamthafenbetrieb dieses Haus zur Verfügung bliebt.“ Aus der Sowjetunion stehe ein Transport von 500 Zwangsarbeitern an. Dafür werde der Personalleiter des GHB, Nölle „sich noch heute oder morgen auf die Reise nach Riga machen, um den Transport hierher zu geleiten.“

Eine vernünftige Übersicht der Lager, in denen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter vom GHB leben mussten, ob es eigene waren oder es sich um Gemeinschaftslager waren, in den auch welche für den GHB leben mussten, gibt es nicht. Insofern werden hier nur Einzelbeispielen aufgeführt. Nach Darstellung von Friederike Littmann sind im Zusammenhang mit dem GHB 19 Lager bekannt geworden. Dabei wird nicht immer zwischen Arbeits- und Lagerort unterschieden, sowie sind in der Übersicht einige Doppelungen. Vor allem waren hier sowjetische und französische Zwangsarbeiter untergebracht oder eingesetzt. Ab September 1943 kamen noch hunderte italienische Militärinternierte dazu.

1Dessauer Ufer
2Großneumarkt 50/51
3Baakenwärder Straße
4St. Annenufer 2
5Johannisbollwerk 1-2, Norwegische Seemannsmission
6Johannisbollwerk 30, Englisches Seemannshaus
7Schloßstraße 28, Gaststätte „Goldener Engel“ (Harburg)
8Sägerplatz 25, Katholische Schule
9Nieder-Georgswerder Deich
10Überseeheim
11Buchheisterstraße 2, Schuppen 77
12Große Elbstraße 25-39, Langesche Mühle
13Am Funkturm Billbrook
14Neue Straße 4
Quelle: Staatsarchiv Hamburg, Aktennummer kommt noch

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