„Ob nun als Zivilarbeiter oder Militärinternierte, die ‚Italiener’ liefern schlechte Leistung ab“

Die Leistung von “freien italienischen Arbeiter wird zu genau negativen Feststellungen wie bei den italienischen Militärinternierten führen.” Vor allem der Verlust der militärischen Kontrolle würde sich negativ auf ihre Arbeitsproduktivität auswirken, schrieb die Unternehmensleitung der Sternwoll-Spinnerei am 14. Dezember 1943 an die Hamburger Gauwirtschaftskammer. 

Sie machte damit auch ihren rassistischen Standpunkt über die italienische Militärinternierten, die im Unternehmen als Zwangsarbeiter in der NS-Zeit eingesetzt wurden, deutlich. 

Ob sie als kriegsgefangene Soldaten von der Wehrmacht bewacht wurden oder nicht, sie waren einfach „Schlechtleister“ – weil sie Italiener waren. Dennoch kam es später, zum 1. September 1944, zum Statuswechsel. Formal waren die italienische Militärinternierte zu diesem Zeitpunkt nicht mehr Gefangenen unter Bewachung der Wehrmacht. 

Die italienischen Soldaten wurden nach der Verkündung der Waffenstillstandes der neuen Regierung mit den Alliierten ab dem 8. September 1943 von der deutschen Wehrmacht festgenommen, wenn sie nicht weiter an der Seite der Nazi-Armee kämpfen wollten. Aus ihnen wurden „Militärinternierte“, ein geschaffener Status, um sie nicht zu Kriegsgefangenen Soldaten zu machen. Damit meinten man, internationale Vereinbarungen nicht einhalten zu müssen. 

Über 16.000 der 600.000 italienische Militärinternierte in Deutschland kamen nach Hamburg und wurden in von der Wehrmacht kontrollierten Lagern untergebracht. Von den Zwangsarbeitslager ging es täglich zu den festgelegten Arbeitsorten oder der Lagerort war der Arbeitsort wie am Beispiel der Sternwoll-Spinnerei in der damaligen Brahmsstraße 75, heute Griegstraße 75. Hier waren 1941/1942 drei Standard-Holzbaracken für die Unterbringung von Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter aufgebaut worden.  Seit September 1943 waren hier auch 30 italienische Militärinternierte untergebracht und als Zwangsarbeiter eingesetzt worden. 

Anfang Dezember 1943 führte das Hamburger Arbeitsamt durch seinen Außendienst eine Überprüfung der Arbeitsstellen von den italienischen Militärinternierten durch.  Mit dem Vertreter des Arbeitsamtes hatte die Gauwirtschaftskammer bereits vorher gesprochen. Sie war der Auffassung, es sei einerlei, „in welcher Form die Italiener beschäftigt (würden), ihre Leistung sei so oder so weit unter Normal.“ Dennoch schrieb die GWK alle Betriebe an. Bis auf zwei sprachen sich alle angeschriebenen Betriebe gegen die Überführung in ein Zivilarbeiterverhältnis aus. 

Die Unternehmensleitung der Sternwoll-Spinnerei schrieb an die GWK am 14. Dezember 1943, das es zweifelhaft wäre, „ob der gewünschte Erfolg einer Leistungssteigerung bei einer Rückführung in das Zivilverhältnis sich einstellt, während mit Sicherheit die straffe militärische Führung eingebüßt wird.“ Am 24. Dezember 1943 schrieb das Unternehmen noch einmal ergänzend an die GWK, das sie es begrüßen würden, wenn „in dieser Beziehung ernährungsmäßig eine Aufbesserung zu erreichen…“

Vor dem Hintergrund der Ergebnisse der Hamburger Betriebsbefragung wandte sich Leiter der Hamburger Abteilung Industrie, Rudolf Blohm, im Januar 1944 an die Reichsgruppe Industrie in Berlibn. Er bat darum, von dort Einfluss auf das zuständige Ministerium zu nehmen, damit die italienischen Militärinternierten in den Ernährungssätzen den Westarbeitern gleichgestellt würden und in den Genuss der vollen Schwerarbeiterzulage sowie Tabak- und gelegentlicher Sonderzulagen kämen. 

Zum 1. September 1944 wurde der Status der IMIs in Deutschland geändert. Nach Darstellung der Unternehmen, die sie einsetzen, wollte man eine bessere Arbeitsproduktivität der Gefangenen und bewachen italienischen Soldaten erreichen. Ihr Status wurde geändert in „zivile“ Italiener. Sie durften Deutschland nicht verlassen, aber die Bewachung durch die Wehrmacht wurde abgeschafft und damit das ganze Meldewesen, die Zählappelle u.a.m. Ihre prekäre Lage änderte sich aber nicht. 

In der Sternwoll-Spinnerei waren auch sowjetische und französische Zwangsarbeiter bis 1945 eingesetzt worden. Aus den Erzählungen ehemaliger sowjetischer Zwangsarbeiterinnen ist bekannt, dass die Eingangstüren in die Sternwoll-Spinnerei Abends abgeschlossen und das das Unternehmen von Soldaten bewacht wurden.

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