IMIs bei den Hamburger Elektrizitätswerke (HEW)

Die Hamburger Elektrizitätswerke (HEW) setzen in der NS-Zeit massenhafte Zwangsarbeiter ein. Zum 1. April 1945 waren 912 Zwangsarbeiter im Einsatz. Dazu gehörten ab September 1943 auch italienische Militärinternierten. Sie wurden vor allem in Alt-Garge, 60 km von Hamburg entfernt, eingesetzt. Weiter wurden sie auch in einem Fernheizwerk beschäftigt. Hierbei dürfte es sich vermutlich um das Werk im Hamburger Karolinenviertel gehandelt haben. Bezüglich des „Vertriebseinsatzes“, in dem die IMIs eingesetzt wurden, dürfte es sich um die Suche und die Reparatur von Stromzählern gehandelt haben. Es gibt dazu eine Anfrage an Hamburg Energie.

Alt-Garge

In Alt-Garge waren insgesamt 66 IMIs eingesetzt worden. Ob sie im Gemeinschaftslager vor Ort leben mussten, ist zurzeit nicht bekannt.

Seit 1937/38 waren alle Hamburger Haushalte an des HEW-Netz angeschlossen, und fast zwei Drittel der gesamten Stromabgabe gingen an die Industrie. Der Neubau eines weiteren Großkraftwerks war nach Einschätzung der Nazi 1938/39 erforderlich. Im Wissen um den bevorstehenden Krieg hielt es die HEW-Führung für ratsam, eine bombengeschützte Kraftwerksanlage in einem größeren Abstand von Hamburg zu bauen. Die HEW entschied, die neue Kraftwerkszentrale 60 km südöstlich von Hamburg in Alt-Garge an der Elbe – Lauenburg gegenüber zu bauen, das erst im Jahr 1974 von der HEW stillgelegt wurde.

Mit den Bauarbeiten wurde 1941 begonnen. Die Arbeitskräfte waren zu dieser Zeit durch Hitlers Krieg knapp und es wurde ein Lager für etwa 1000 kroatische, serbische und slowenische Kriegsgefangene aufgebaut. Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene stellten somit die ersten Kolonnen für die Planierungsarbeiten und den Aufbau des neuen HEW- Werks. Innerhalb des Gemeinschaftslagers der HEW war ein umzäunten und bewachten Lagern („Kroatenlager“) untergebracht worden. Das „Kroatenlager“  wurde spätestens im Frühjahr oder Sommer 1944 aufgelöst.

Im August 1944 wurde ein zweites Lager, das „Lager B“, als Außenkommando des KZ Neuengamme eröffnet. Am 25. August kam ein erster Transport mit 500 polnischen Widerstandskämpfern an, die am Warschauer Aufstand teilgenommen hatten und dann nach kurzem Zwischenhalt im KZ Sachsenhausen nach Alt-Garge deportiert worden waren. Etwa die Hälfte der KZ-Häftlinge war nach drei Monaten derart entkräftet und krank, daß sie in das KZ Neuengamme abtransportiert wurden. Als Ersatz kamen Häftlinge verschiedener Nationalität.  Die Leitung der HEW- Kraftwerksbaustelle rechnete den „Arbeitseinsatz“ der KZ-Häftlinge direkt mit der Lagerkasse des KZ Neuengamme ab.  

Fernheizwerk

42 IMIs waren im Fernheizwerk beschäftigt. Es wird vermutet, dass die im Zwangsarbeitslager in der Schilleroper und der Schützenpforte waren. In dem Fernheizwerk in der Karolinenstraße waren nachweislich niederländische Arbeiter eingesetzt worden. 

Das Heizkraftwerk „Karoline“‘der HEW ist heute bis auf ein modernes Umspannwerk an der Einmündung der Flora Neumann Straße, vollständig verschwunden, um Platz für die neuen Hallen der „Neuen Messe Hamburg“ zu schaffen. Der nur noch teilweise erhaltene Kopfbau des Kraftwerks war erst 1992/93 denkmalgerecht restauriert und zu einem Bürogebäude für das Hamburgische E-Werk umgebaut worden, Das Fragment des Gebäudes befindet sich heute unter dem Dach einer der neuen Messehallen. Es zeigt mit seiner reichen Gliederung aus Glasurziegeln und Formsteinen und dem kunstvollen Blitzableiter auf dem Dach typische Stilelemente eines neogotischen Industriebaus der Gründerzeit.

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Vertriebsabteilung

Über den Einsatz der 12 IMIs in der Vertriebsabteilung der HEW ist wenig bekannt. Friederike Littmann schreibt in ihrem Buch „Ausländische Zwangsarbeiter in der Hamburger Kriegswirtschaft 1939 – 1945“, dass die HEW sogenannte Bergungstrupps mit italienischen Militärinternierten zusammengestellt hatte. Ihre Aufgabe bestand darin, „in zerstörten Gebäuden nach noch brauchbaren Zählern zu suchen … Ein als Hilfswachmann eingesetzter Zählerprüfer trug äußeres Zeichen eine Armbinde und war zum Tragen einer Waffe berechtigt. Die italienischen Kriegsgefangenen wurden mit dem Auto von ihren Lagern in Große Borstel zur Schule Angerstraße gefahren und dort verteilt.“ (S. 263).

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