Über Flora Neumann aus dem Karolinenviertel

Am 9. September 2021 gibt es einen kleinen Rundgang mit ANEI durchs Karolinenviertel. Einige Stationen werden auch in der Flora Neumann Straße sein.

Wer war Flora Neumann?

Flora Andrade war 1911 geboren und war mit Rudi Neumann seit 1931 verheiratet. Nach dem Besuch der Israelitischen Töchterschule in der Karolinenstraße 35 arbeitete sie später in der Sternwoll-Spinnerei in der Nähe der S-Bahnstation Bahrenfeld. Mit dem Machtantritt der Nazis änderte sich ihr ganzes Leben. „Ich durfte als Jüdin seit 1933 sowieso nicht mehr arbeiten und wohnte zur Untermiete in der Rutschbahn auf einem Zimmer. Ich bekam von der Wohlfahrt Unterstützung”, schrieb sie in ihren Erinnerungen 1991.

Rudi Neumann wurde mehrfach von den Nazis verhaftet und 1934 zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Während der Gefängniszeit kam ihr Sohn Bernd im Israelitischen Krankenhaus in der Eckernförder Straße, heute Simon von Utrecht Straße, zur Welt. Mehr schmunzelnd erzählt sie später über den ersten Kontakt von Rudi und Bernd: “Als Berni zwei Monate alt war, fuhren wir ins Gefängnis nach Fuhlsbüttel. Rudi freute sich, aber Bernie schrie so, dass wir unser Wort nicht verstehen konnten. Ihm gefiel der Ort wohl nicht, wo sein Vater war. Das kann man verstehen.” Rudi Neumann war 1907 geboren und hatte Elektriker gelernt. Früh hatte er sich in der KPD organisiert. Kennengelernt hatten sich beide über JJA (“Jüdischen Jungarbeiter”), im Jugendheim in der Johnsallee. 

1938 floh Rudi nach Belgien. Flora kam kurz später in Brüssel an. Hier waren sie weiterhin im Widerstand gegen Hitler aktiv. Seit 1940 wurde Rudi in einem Internierungslager festgehalten. Ihren Sohn Bernhard konnten sie in einem belgischen Kloster verstecken. Flora lebte weiter illegal in Brüssel, wurde aber 1943 verhaftet und in das Konzentrationslager Auschwitz deportiert. Dort wurde sie misshandelt, u.a. mit  medizinischen Experimenten. Sie überlebte nicht nur das KZ Auschwitz, sondern auch den Todesmarsch 1945 Richtung Westen in das KZ Ravensbrück. 

Nach der Befreiung am 8. Mai 1945 traf sie ihren Mann, der das KZ Buchenwald überlebt hatte, in Brüssel wieder. Zusammen mit ihrem Sohn lebten sie dort bis 1950. Im Januar 1951 kehrten sie nach Hamburg zurück und wohnten zuerst in der Karolinenstraße 26, im Haus 12, bei Rudis Schwester Theresa und dessen Mann, Julius Behnken. Später zogen die Neumanns in die Karolinenstraße 4. Im Februar 1952 hatte Flora Neumann mit ihrem Mann einen “Waschsalon” in der Marktstraße 13 eröffnet. Diese kleine Frau, mit ihren 1,44 m, hatte mit ihrem Mann und Sohn den Holocaust überlebte. Bis ins hohe Alter hatte Flora an Hamburger Schulen als Zeitzeugin Tausende von Schülerinnen und Schüler über die Nazi-Zeit und ihre Greueltaten aufgeklärt. 2005 verstarb sie im Alter von 94 Jahren. 2010 wurde ein Teil der Grabenstraße zur Flora Neumann Straße.

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